Jugendliche
Selbstständigkeit und lebenspraktische Fertigkeiten
Selbstständigkeit entsteht Schritt für Schritt. Dabei gibt es nicht den einen richtigen Weg. Lebenspraktische Fertigkeiten sollten möglichst konkret, alltagsnah und entsprechend den individuellen Möglichkeiten geübt werden. Dazu gehören beispielsweise Körperpflege, Anziehen, Essen zubereiten, Einkaufen, Umgang mit Geld, Orientierung im öffentlichen Verkehr oder das Organisieren des eigenen Tages. Entscheidend ist, gemeinsam herauszufinden: Was kann ich bereits selbst? Was möchte ich lernen? Welche Unterstützung brauche ich, damit ich möglichst selbstbestimmt leben kann.
Interessen und Freizeitgestaltung
Freizeit ist mehr als eine Beschäftigung neben Schule oder Ausbildung. Sie bietet Raum für Erholung, Freude, Selbstbestimmung, soziale Kontakte und persönliche Entwicklung.
Viele autistische Jugendliche haben intensive oder sehr spezifische Interessen. Diese können eine wichtige Ressource sein: Sie können Sicherheit geben, Stress reduzieren, Motivation fördern und Möglichkeiten schaffen, mit anderen Menschen in Kontakt zu kommen. Nicht jede Freizeitaktivität muss sozial sein. Zeit alleine kann ebenso wertvoll und für viele Jugendliche im Spektrum ein wichtiger Erholungsraum sein.
Umgang mit Medien und digitalen Angeboten
Digitale Medien gehören für viele Jugendliche selbstverständlich zum Alltag. Smartphone, Computer, Gaming und soziale Medien können Unterhaltung, Information, Kommunikation und soziale Teilhabe ermöglichen. Für autistische Jugendliche können insbesondere interessenbezogene Online-Communities und digitale Räume wichtige Möglichkeiten für Austausch und Zugehörigkeit bieten. Gleichzeitig können soziale Medien auch Unsicherheiten, Missverständnisse, Konflikte und weitere Risiken mit sich bringen.
Statt Medien grundsätzlich zu verbieten, ist es sinnvoll, gemeinsam einen sicheren und ausgewogenen Umgang zu entwickeln. In dem Blog Aufwachsen mit Medien erhalten sie weitere Tipps.
Wohnen und den eigenen Lebensraum gestalten
Der Übergang vom Elternhaus in eine eigene Wohnform ist ein wichtiger Schritt. Für manche Jugendliche und junge Erwachsene bedeutet dies eine eigene Wohnung, für andere eine Wohngemeinschaft, begleitetes Wohnen oder eine Wohnform mit intensiver Unterstützung.
Welche Wohnform passt, hängt von den persönlichen Bedürfnissen, Fähigkeiten, Wünschen und dem benötigten Unterstützungsumfang ab. Auch eine weitgehend selbstständige Wohnform kann mit Assistenz oder punktueller Unterstützung verbunden sein.
Bei der Vorbereitung können folgende Fragen helfen:
- Welche Aufgaben kann ich bereits selbst übernehmen?
- Bei welchen Aufgaben benötige ich Unterstützung?
- Wie viel Ruhe und Rückzug brauche ich?
- Welche Geräusche, Gerüche, Lichtverhältnisse oder Materialien empfinde ich als angenehm oder belastend?
- Kann ich einkaufen, kochen, putzen und meine Wäsche organisieren?
- Wie gehe ich mit Geld und Rechnungen um?
- Wie erreiche ich Schule, Ausbildung, Arbeit und Freizeitangebote?
- Wer unterstützt mich, wenn etwas nicht funktioniert?
Die Gestaltung des Wohnraums sollte möglichst an den individuellen sensorischen Bedürfnissen orientiert sein. Eine ruhige, überschaubare Umgebung und ein verlässlicher Rückzugsort können helfen, Reizüberflutung zu reduzieren.
Gesundheit und Wohlbefinden
Gesundheit umfasst körperliches und psychisches Wohlbefinden. Jugendliche im Autismus-Spektrum sollten darin unterstützt werden, ihren Körper und ihre eigenen Bedürfnisse zunehmend wahrzunehmen und auszudrücken.
Pubertät
Autismus, Pubertät und Umbruch
Die Pubertät fordert alle Jugendlichen – Körper, Gefühle, Schule und soziale Erwartungen verändern sich gleichzeitig. Für Jugendliche im Autismus-Spektrum ist das oft besonders anstrengend, weil vieles schwer vorhersehbar ist und es viele Veränderungen gibt. Es kann sich anfühlen wie „alles auf einmal“. Gleichzeitig bietet diese Phase die Chance, sich selbst, die eigenen Grenzen und Stärken besser kennenzulernen.
Alltag & Schule – Herausforderungen meistern
Für viele Kinder und Jugendliche im Autismus-Spektrum ist Schule Lern- und Belastungsort zugleich. Reizüberflutung durch Lärm, Licht oder soziale Situationen führt schnell zu Erschöpfung.
- Stärken liegen bei klaren, logisch aufgebauten Aufgaben und im Merken von Fakten.
- Mehrdeutige Aufgaben und soziale Situationen sind oft schwierig.
- eine konstante Bezugsperson reduzieren Überforderung und schaffen Sicherheit
- Pausen und Gruppenarbeiten können belasten.
- Missverständnisse und Mobbing treten häufiger auf, obwohl der Wunsch nach Zugehörigkeit gross ist.
- Sensorische Anpassungen, mehr Zeit und alternative Leistungsnachweise verbessern die Lernbedingungen
- Ein Nachteilsausgleich (Link zum PDFs) kann ermöglichen, Fähigkeiten trotz Hürden zu zeigen (Nachteilsausgleich Wegleitung, Nachteilsausgleich FAQ)
Körper, Sexualität & Grenzen – Klare Orientierung
In der Pubertät erleben autistische Jugendliche Veränderungen oft intensiver. Sie brauchen klare, wiederholte Erklärungen zu Körpergrenzen und Verhalten.
- Einwilligung muss eindeutig sein: Nähe nur mit klarem „Ja“, ein „Nein“ gilt immer.
- Themen wie Selbstbefriedigung, Pornografie und Online-Kontakte sollten offen und sachlich besprochen werden.
- Strukturierte, visuelle Aufklärung hilft; bei Krisen ist fachliche Unterstützung nötig.
- „Ich bin in der Pubertät“ Hier ist ein bewährtes Training für autistische Jugendliche mit Handbuch für Fachpersonen und Arbeitsbuch für 12–18‑Jährige.
Identität und Zukunftsgestaltung
In der Pubertät verändern sich Körper, Selbstbild und Identität. Autistische Jugendliche brauchen Mitsprache und ernst genommen zu werden.
- Identitätsfragen benötigen Raum und altersgerechte Beteiligung.
- Peer-Kontakte, Vorbilder und stabile Freundschaften stärken Zugehörigkeit.
Was bedeutet Autismus in der Pubertät
Die Pubertät fordert alle Jugendlichen – Körper, Gefühle, Schule und soziale Erwartungen verändern sich gleichzeitig. Für Jugendliche im Autismus-Spektrum ist das oft besonders anstrengend, weil vieles schwer vorhersehbar ist und es viele Veränderungen gibt. Es kann sich anfühlen wie „alles auf einmal“. Gleichzeitig bietet diese Phase die Chance, sich selbst, die eigenen Grenzen und Stärken besser kennenzulernen.
