Der Begriff «Autismus» wurde 1943 zum ersten Mal verwendet. Bisher gab es verschiedene Autismus Diagnosen, so beispielsweise das Asperger-Syndrom, frühkindlicher Autismus oder A-typischer Autismus. In den aktuellen Diagnose-Handbüchern DSM-5 und ICD-11 werden all diese Formen zu «Autismus-Spektrum-Störung» zusammengefasst. Auch wenn zum Beispiel der Begriff Asperger-Syndrom im DSM-5 nicht mehr explizit erwähnt ist, wird er trotzdem im Alltag noch häufig verwendet.
Autismus ist ein Spektrum. Das bedeutet, dass autistische Menschen sich sehr voneinander unterscheiden. Das Spektrum reicht von Personen mit starkem Unterstützungsbedarf bis zu Menschen mit hoher kognitiver Leistungsfähigkeit und keinem Unterstützungsbedarf. Die Ausprägungen sind vielfältig.
Der Begriff Autismus-Spektrum-Störung wird verwendet, weil autistische Menschen sich sehr stark voneinander unterscheiden und ihre Gemeinsamkeiten und Unterschiede nicht in klare Kategorien eingeteilt werden können. Das Spektrum reicht von Personen mit starkem Unterstützungsbedarf bis zu Menschen mit hoher kognitiver Leistungsfähigkeit und keinem Unterstützungsbedarf. Zum Beispiel gibt es Menschen mit Autismus mit oder ohne Intelligenzminderung oder im Bereich der verbalen Sprache, welche die nonverbal sind und andere, die über ein ausgeprägtes Vokabular und ausgezeichnete Sprachkenntnisse verfügen.
Das Autismus-Spektrum sollte nicht als grader Verlauf von «leicht» bis «schwer» betrachtet werden. Stattdessen ist es besser, sich das Spektrum wie ein Kreis mit verschiedenen Bereichen vorzustellen. Jede Person im Spektrum zeigt ein individuelles Muster (Autismus-Profil) auf diesem Kreis, wobei die Merkmale in bestimmten Bereichen stärker oder schwächer ausgeprägt sein können. Zu den erfassten Bereichen gehören zum Beispiel: soziale Interaktion, Kommunikation, Sprache, Sensorische Wahrnehmung, Interessen und Fokussierung, Kognitive Flexibilität, Exekutive Funktionen, Verarbeitungsgeschwindigkeit, Emotionale Regulation, Kompensationsstrategien, IQ und Motorik und Koordination.
Autismus bleibt ein Leben lang bestehen, doch die Ausprägungen einzelner Merkmale können sich im Verlauf der Entwicklung und in verschiedenen Lebenssituationen verändern und beeinflussen. Das Gesamtbild eines Autismus-Profils ist nicht starr; es ist kein statisches Bild, sondern eine Momentaufnahme, die sich je nach Kontext, Belastung und inneren Prozessen verändern kann.
Menschen mit Autismus entwickeln im Laufe ihres Lebens oft Fähigkeiten und Strategien, bewusst und unbewusst. Diese können helfen, mit sozialen Anforderungen, sensorischen Reizen oder Veränderungen umzugehen. Auch gezielte Förderung und Therapie oder unterstützende Strukturen können dazu führen, dass bestimmte Fähigkeiten gestärkt werden – zum Beispiel in der Kommunikation, Selbstregulation oder Alltagsbewältigung. Das äussere Erscheinungsbild des Profils kann sich dadurch deutlich in verschiedenen Situationen innerhalb kurzer Zeit verändern, auch wenn die autistische Wahrnehmung im Kern bestehen bleibt.
Die individuellen Merkmale können sich je nach Tagesform, Stresslevel und Umgebung unterschiedlich zeigen. Stress hat einen negativen Einfluss auf die autistischen Symptome. In belastenden Situationen zeigen sich zum Beispiel verstärkte Reizempfindlichkeit, Kommunikationsschwierigkeiten oder repetitive Verhaltensweisen. Auch eingeübte Fähigkeiten können in Stresssituationen weniger abrufbar sein.
Bei weiteren Fragen stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung. Mitglieder von autismus schweiz können die Beratungsstelle via E-Mail bei spezifischen Fragestellungen kontaktieren.
